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-354- Schreibroutine und -disziplin

Gestern hat die liebe Belora mir einen Kommentar zu meinem Eintrag über meinen derzeitigen Schreibstand verfasst, der mich ein wenig zum Nachdenken gebracht hat. Einige von euch haben schon geschrieben, wie diszipliniert das mit meinem Plan aussähe und dass ich viel schreiben würde, auch an anderen Ecken habe ich dazu liebe Worte bekommen, weshalb ich mich dazu entschlossen habe, dem einen eigenen Eintrag zu widmen.

Es mag aussehen, als hätte ich eine starke Disziplin, weil ich derzeit jeden Tag schreibe und dann auch noch jedes Mal mehr als 2000 Wörter, aber die Wahrheit ist, dass das auch der Ausnahmezustand ist. Beziehungsweise der "neue Zustand", seitdem ich meine neue Schreibroutine eingeführt habe und meine Zeit durch effektive Planung besser nutze. Das Ganze fängt schon damit an, dass ich selbst an Wochenendtagen - bis auf einige Ausnahmen - früh aufstehe und das Erste, was ich mache (nachdem ich meinen Kaffeebecher aufgefüllt habe), ist schreiben. Da bin ich meist noch im Bärchenschlafanzug und bräuchte dringend eine Dusche. Ich kann morgens am Besten schreiben, obwohl ich absolut kein Frühaufsteher bin, weshalb mir dieser Punkt aber auch am Wichtigsten ist. Die erste Stunde über schreibe ich im 15-Minuten Takt. Das heißt: 15 Minuten schreiben, 5 bis 10 Minuten Pause. 15 Minuten schreiben, 5 Minuten Pause, nocheinmal 15 Minuten schreiben. Dann erst gehe ich zum normalen, morgendlichen Ritual über, wie duschen, aufräumen, essen, arbeiten. Ich arbeite in Schichten, deshalb habe ich verhältnismäßig viel Zeit und habe entweder Frühschicht oder Spätschicht, sodass mir entweder ein guter Morgen oder ein guter Abend zum Schreiben bleibt.

So sieht das derzeit aus: früher aber habe ich nach Laune geschrieben. Das war dann alle paar Tage einmal, mal mehr, mal weniger und ich bin viel, viel leichter in eine Schreibdepression gerutscht, weil ich durch meine Ungeduld nie richtig in den Text hereingefunden habe. Ich glaube, es macht viel aus, wenn man das Schreiben nicht nur als "Zeitvertreib" ansieht, sondern auch als das erkennt, was es wirklich ist: Arbeit. Eine herrliche Arbeit, die oft schwer fällt, weil man sehr tief gehen muss, weil man meist an den Ort gehen muss, an dem es am Meisten weh tut. Denn wo sonst kommen Worte und Literatur überhaupt her?

Liebe Belora, du schreibst Ich würde auch gerne mehr schreiben, aber irgendwie geht es in meinem Kopf nicht. Ich kann nur Auszüge schreiben, so als wäre der Rest auf einmal verschwunden ... und ich kann dir sagen, dass es mir an meinen tiefsten Punkten, in denen die Schreibdepression fest zugeschlagen hat, exakt genauso geht. Vor allem, nachdem ich Unter diesem Einfluss von Henning Kober gelesen hatte, (was ein tolles Buch ist und mich sehr begeistert, aber auch heruntergezogen, hat) konnte ich lange Zeit nur szenenhaft, skizziert schreiben. Mir fehlte die Geduld, das Leben in den Seiten, das Denken mit den Charakteren. Ich habe nur noch ans Vorankommen gedacht und konnte das Zwischen den Szenen nicht richtig ausschreiben. Es war, wie du sagst, als wäre der Rest auf einmal verschwunden. Lesen kann dabei aber auch helfen - ich weiß zum Beispiel, dass die Literatur bestimmter Autoren meinen Schreibfluss wieder etwas enthemmt. Am Wichtigsten ist es aber, dass du dich selbst nicht unter Druck setzt, denn zu hoher Erwartungsdruck ist der natürliche Feind der Kreativität!
Mir hat es sehr geholfen, alles etwas genauer auszuplanen und Szenen, die ich nur skizzenhaft im Kopf hatte, bis auf den letzten Satz auszuschreiben. Denn kürzen kannst (und musst!) du hinterher immer noch. Was kann man sonst noch tun, um wieder etwas Entspannung zu tanken und das Schreiben zu genießen? Vielleicht eine Schreibpause? Habt ihr ein paar Ideen? Was sind eure Techniken, wenn es mit dem Schreiben nicht mehr richtig funktionieren will?

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Julia Mayer
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1 SEKTSCHALE(N) MIT HIMBEEREN:

  1. wow. Ich danke dir, von ganzem Herzen.
    Ich hoffe einfach, dass irgendwann die Worte wieder aus meinen Gedanken aufs Papier fließen und ich damit zufrieden bin.
    Im Moment ist vielleicht einfach nicht die Zeit, aber du hast mir viel Mut gemacht, dass sie wieder kommen wird.
    Danke! ♥
    Belora

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