09.03.15

-474- Die Entwirrung meines Schreibprozesses

Hallo ihr Lieben - Katja hat mich gefragt, ob ich vielleicht das Buch, das ich momentan lese (Write Better, Faster von Monica Leonelle) vorstellen kann. Da habe ich mir gedacht, dass ich das gleich mit einer Erklärung meines Schreibprozesses verbinden werde.
Mir persönlich hilft es enorm, mich mit den Theorien und der Praxis anderer Autoren auseinanderzusetzen. Begonnen hat das Ganze damit, dass ich mich über Marketing für Indie-Autoren informieren wollte. Also las ich "Write. Publish. Repeat." von Sean Platt und Johnny B. Truant. Dieses Buch hat mir definitiv neue Türen geöffnet, weil ich plötzlich ganz anders über dieses 'Business', in dem ich arbeite, gedacht habe. Mit anderen Worten: Ich war angefixt.
Von diesem Buch kam ich auch ganz schnell zu Büchern wie Let's get digital, Let's get visible und schließlich zu diesem Buch hier, das meinen Schreibprozess geboostet hat: 2k to 10k von Rachel Aaron.

Vor ein paar Tagen bin ich durch den Selfpublishing-Podcast von Sean, Johnny und Dave auf das Buch "Write Better, Faster" von Monica Leonelle gestoßen und habe gestern den Hauptteil beendet. (Der Rest ist ein Appendix, in dem sich ihr Schreibtagebuch befindet, das ich auch noch lesen werde.)
Und obwohl ich bisher viele Bücher hatte, die mir helfen konnten, mein Schreiben zu optimieren, hat mich dieses Buch nochmal auf einem ganz anderen Level umgehauen. Und zwar weigern sich die meisten Autoren, insbesondere solcher Bücher, ihren wirklichen Prozess zu enthüllen. Das mag viele Gründe haben.
a) Sie wollen es nicht enthüllen, entweder wegen des Mysteriums oder weil sie geizig sind (sehr seltene Exemplare)
b) Sie wissen selbst nicht, was sie eigentlich richtig machen (das kommt schon öfter vor)
c) Sie glauben nicht, dass das jemand lesen will (oft und leider falsch)

Monica Leonelle nimmt kein Blatt vor den Mund. Man merkt beim Lesen, wie intensiv sie sich damit beschäftigt hat, ihren Schreibprozess zu optimieren und sie gibt alles davon an den Leser weiter. Sie betont auch immer wieder, wie wichtig es ist, seinen eigenen Mittelweg zu finden - aber im Allgemeinen haben mir 90 % ihrer Tipps super geholfen.
Vieles davon wusste ich schon, aber einiges war auch neu.

Mein Schreibprozess ist sozusagen ein Bastelprojekt, an dem ich immer und immer wieder feile. Manchmal verändere ich etwas, oder gehe zurück zu einer alten Gewohnheit, eben was am besten funktioniert. Aber die Grundzüge bleiben immer gleich. Hier möchte ich euch kurz zeigen, wie ich ein Buch schreibe.

Mein Schreibprozess


Ich beginne mit einer Idee, die ich meist schon mehrere Wochen oder sogar Monate im Kopf umhergewälzt habe. Wenn ich mich dazu entschließe, mehr als nur gekrickelte Zitate aufzuschreiben und das Ganze zu Papier zu bringen, entwickle ich einen groben Plot.
Der grobe Plot umfasst die vier gröbsten Handlungspunkte: Anfang, Mitte, Climax und Ende.

Dann fülle ich diese Abschnitte mit Stichpunkten auf von allem, was ich mir so vorstellen kann, das passiert. Diese Stichpunkte teile ich in Kapitel ein, in denen ich wiederum in Stichpunkten aufschreibe, was darin passieren könnte. Bei diesem Punkt schaue ich meist auch, wo die Handlung komisch wird, bzw. wo ich nicht weiter komme. Wenn mir keine Lösung für einen Knotenpunkt einfällt, arbeite ich einfach an einer anderen Stelle der groben Planung weiter.
Zum Schluss habe ich ein Grundgerüst, das wie ein roter Faden fungiert. Manchmal halte ich mich an das, was dort steht, aber meist gehe ich letzten Endes mit dem 'Fluss' beim Schreiben. Dadurch können sich einige Punkte ändern, aber meist läuft es auf das hinaus, was ich geplant habe.

Seit neuestem weite ich die Grobplanung um eine Detailplanung aus. Das heißt, ich nehme mir die Stichpunkte für ein Kapitel, packe sie in ein neues Dokument bei Scrivener und schreibe jede Szene aus. Dabei achte ich nicht auf den Stil, sondern nur darauf, dass alle Fragen geklärt sind und ich mögliche Recherche und Details zum Aussehen von Häusern/Charakteren/Welten vorher geklärt habe.
Diese Detailplanung sorgt dafür, dass ich beim letztendlichen Schreiben einfach loslegen kann. Alles steht schon dort, ich muss es nur noch in Form bringen, Dialoge einfügen (wobei ich die auch in der Detailplanung skizziere) und plötzlich ist diese Angst fort, die ich sonst immer hatte.
Es spart unendlich viel Zeit, wenn man sich vorher Gedanken macht, was genau und wie genau etwas in einer Szene passieren soll. Plötzlich ist es nur noch Handwerksarbeit und ich muss nicht länger den Plot ausgraben während ich schreibe. Er liegt schon offen vor mir und ich kann mich auf das Künstlerische konzentrieren.

Zum Schreiben nutze ich, wie gesagt, Scrivener. Früher habe ich Word oder OpenOffice genutzt, aber seit ich Scrivener nutze ist es einfacher, alles an Planung parallel zum Manuskript schreiben zu können. Ich habe alles in einem Dokument, selbst Bilder von Orten und Charakteren, falls ich diese brauchen sollte.
Je nach Laune schreibe ich sogenannte Pomodoros -> das ist ein System, bei dem man 25 Minuten am Stück schreibt und 5 Minuten Pause macht. Und das ca. vier Mal hintereinander. Momentan bin ich etwas aus der Übung was Pomodoros angeht, aber wenn ich mich hinsetze und wieder reinarbeite, wird das schon werden.
Um meine Aufgaben des Tages (nicht nur beim Schreiben) zu organisieren nutze ich habitRPG.com - die Seite ist ideal, wenn man sich spielerisch eine To-Do-Liste zulegen und abarbeiten möchte. Mir hilft das enorm!
Seit gestern nutze ich zusätzlich zum Organisieren meines Schreibprozesses noch trello.com
Dort kann man sich Karteikarten anlegen, oder Notizzettel, je nachdem wie man es sehen möchte, und sie nach Belieben verschieben. Ich nutze die Seite, um zu ordnen, welche Kapitel ich geschrieben habe und welche sich auf welchem Stand der Korrektur befinden.
Früher habe ich das alles nur im Kopf gemacht, aber nun da ich daran keine Gedanken mehr verschwenden muss, ist mein Gehirn frei für's Schreiben. :)

Wie Tag für Tag mein Schreiben läuft seht ihr ja in meinen Tagebucheinträgen, die ich seit kurzem hier auf dem Blog poste. Falls ihr noch Fragen habt, beantworte ich sie gern. :)

Liebe Grüße,
Juls

P.S.: Ich weiß, die empfohlenen Bücher sind alle auf Englisch, aber ich konnte kein sinnvolles Pendant bei den deutschen Sachbüchern finden. Es lohnt sich trotzdem, die Ratgeber die ich oben aufgelistet habe, zu lesen!

Kommentare:

  1. Huhu Juls :)

    Danke für die Vorstellung des Buches ^__^ und deines eigenen Schreibprozesses. Ich finde so etwas bei anderen immer furchtbar interessant und habe gemerkt, dass wir eigentlich komplett gleich arbeiten, wobei ich wahrscheinlich viel mehr mit der Hand schreibe als du, aber das sind ja nur kleine Differenzen.
    Ich kann dir nur zustimmen. Da ich meine Planung auch sehr detailliert mache, habe ich das Blatt mit dem jeweiligen Kapitel immer zwischen meinen Armen vor meinem Laptop liegen und muss wirklich alles nur "abarbeiten" beim Schreiben, muss mir nichts neues mehr ausdenken :) Trotzdem hab ich natürlich noch Freiheiten beim Schreiben. Sehr praktisch & effizient. Viel Erfolg weiterhin!

    Liebste Grüße

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    1. Hey Laura!

      Ich finde Schreibprozesse auch total interessant. Freut mich, dass dir mein Artikel dazu gefallen hat! Ja, wir haben durchaus einen gleichen Prozess, nur dass du per Hand schreibst und ich gar nicht/kaum. :) Aber er scheint ja zu funktionieren; immerhin produzieren wir beide echt viel. (Vor allem in den letzten zwei Wochen.)

      Genau, ich stelle beim Schreiben auch sehr schnell fest, was funktioniert und was nicht. Gerade vorhin habe ich eine Szene geschrieben, die ein ganz anderes Ende hatte als es geplant war - aber es funktionierte einfach besser. Ist schön, wenn der Flow dann übergreift und sowas möglich macht.
      Ich habe durch Scrivener die Möglichkeit, mein Schreibdokument und mein Planungsdokument direkt nebeneinander zu platzieren und das ist echt perfekt. *-*

      Danke für deinen Kommentar!
      Liebste Grüße zurück,
      Juls

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    2. Das stimmt! Ich muss auch sagen, dass du mich wahrscheinlich unabsichtlich xD immer wieder anspornst, doch noch ein paar Worte zu schreiben :D Zumindest jetzt, wo ich noch Zeit habe, diesem Ansporn auch nachzugehen, klappt das sehr gut *lach*

      Scrivener hatte ich übrigens mal ausprobiert, aber das ist irgendwie nichts für mich. Fühle mich bei Word wohler, wo ich direkt schon alles gestalten kann und so ^^

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    3. :'D Du spornst mich auch an! Wir sind schon nen gutes Team, ha ha. :3

      Aber bei Scrivener kann man doch auch gestalten? Ich habe mich ja lange dagegen gewehrt, aber nachdem mir andauernd Texte bei Word/OpenOffice und anderen Programmen (wie auch FocusWriter grrrr v.v) verloren gegangen sind, habe ich mich durchgerungen und Scrivener gekauft. Die Sicherungskopien sind automatisch und es kann eigentlich nichts verloren gehen, schon gar nicht wenn ich regelmäßig auf die Cloud speichere.

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    4. Da ist wohl was Wahres dran ^_^

      ja, schon und es sieht auch echt gut, aber ich glaube, ich hab mich einfach über die Jahre hinweg schon zu sehr an Word gewöhnt. ich speicher ja alles auch direkt in meiner Dropbox, wäre mir sonst auch zu heikel :3

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